Das Projekt Österreichisch-Ungarischer Friedhof in Redipuglia (AutonomeRegion Friaul-Julisch-Venetien)

  vom 18. bis 31. August

 

 

1.     Die endgültige Teilnehmerliste nach einigen Ausfällen wieMotorradunfall

     oder Blinddarmoperation:

                                       Dr. Werner Andrich (A)

                                             Katarzyna Baron (Pl)

                                             DavidFerge (Hu)

                                             Christoph Fischer (A)

                                             Kerstin Gradauer (A)

                                             Thomas Jarcyk (Pl)

                                             AgataMarczak (A)

                                             Dr. Melitta Judmayr-Konrad (A)

                                             Mag. Eugen Lang (A)

                                             Denise Schimek (A)

                                             Andras Schmidt (Hu)

                                             Michael Stelzl (A)

                                             PhilippStudnicka (A)

                                             Stefan Wedrac (A)

                                             Dazu kam Klein-Thomas (knapp 2 Jahre), der inder                        

                                             Werkstätte unermüdlich alle Gegenstände auf ihre

                                       Beweglichkeithin überprüfte.             

                                             Leitung: Mag. Eugen Lang, Stefan Wedrac

 

2.     Die Unterkunft:Alle Räumlichkeiten lagen im Schatten der Pfarrkirche von Redipugliain der Via Filzi. Als Schlafraum dientedie Turnhalle der Schule ‘Corridoni’, der nebenan liegende Gemeinschaftsraumvon ProLoco diente als  Speisesaal,die Werkstätte wurde gegenüber auf dem zum Blutspendezentrum gehörenden Geländeeingerichtet.

 

3.     Die Arbeitszeit: Gearbeitet wurde von 8 – 13 Uhr. In der zweiten Woche auchausnahmsweise noch am späteren Nachmittag. Die Europafahne und die Fahnen derbeteiligten Nationen wurden jeden Tag vor Arbeitsbeginn neben dem Eingang zumFriedhof aufgezogen und nach Beendigung der Arbeit wieder eingeholt, einVorgang, der Aufmerksamkeit erregte.

 

4.     Der Arbeitsablauf: Es bildeten sich schnell kleine Arbeitsgruppen, die sich jeweils aufbestimmte Arbeiten spezialisierten: Abmontieren der Namenstafeln auf demFriedhof, Notierung aller Daten auf den Tafeln, Einlegen der Tafeln in ein Lösungsmittel,in dem sie mindestens 12 Stunden blieben, Reinigen mit Seife und Wurzelbürste,Entfernen der restlichen Farbe mit einem geeigneten spitzen Werkzeug, Trocknenin der Sonne, Abschleifen des Grates um die Löcher für die Schrauben auf der Rückseite,Einstreichen der Schriftflächen mit Farbe, nach einer kurzen TrocknungszeitAbziehen der überschüssigen Farbe und abschließendes Reinigen mitTempotaschentüchern, Wattestäbchen und Terpentin. Nach Ausbesserung derBetonsteine wurden schließlich die restaurierten Tafeln wieder in der ursprünglichenReihenfolge mit neuen Dübeln und rostfreien Schrauben befestigt.

 

5.     Probleme:Fehlende Werkzeuge: Sie wurden immer prompt von Helfern aus der Umgebungbesorgt, die nur auf solche Gelegenheiten gewartet zu haben schienen.

DieBehauptung einiger Teilnehmer, der gekaufte Akku-Schrauber hätte nicht in derWerkzeug-, sondern in der Spielwarenabteilung verkauft gehört, ist sicher übertrieben.Als Bohrer bewährte er sich allerdings tatsächlich nicht, woraus sich eindickes Problem ergab. Die Lösung: die bestens getarnte Steckdose auf demFriedhof wurde schließlich entdeckt, die jetzt notwendige ‚richtige’Bohrmaschine: s.o.

 

6.     Ergebnis: 630Tafeln, das ist etwa ein Viertel des Gesamtbestandes, wurden restauriert. Außerdemwurden alle Daten dieser Tafeln mit dem Ziel erfasst, in der Homepage derGemeinde Fogliano-Redipuglia eine Datei mit den Namen aller bekannten Toten aufdem Friedhof anzulegen. Man wird also demnächst auch von auswärts feststellen können, ob ein Vorfahr auf diesem Friedhofbegraben liegt. Nach Abschluss der Arbeiten gratulierte der Direktor desSacrario (der ital. Soldatenfriedhof aus dem 1. Weltkrieg), Colonello Armando diGiugmo, und versprach weitere Unterstützung.

     

Das Team

Demontage

Unser Betonspezialist

Letzte Farbrest

Thomas und David bei der Arbeit

Der Colonello gratuliert

Die Helden sind müde

                                                 

7.Die tägliche Arbeit auf dem Ö-U-Friedhof in Redipuglia und in der Werkstatt,in der   die Namensschilderrestauriert wurden, waren eine Sache, die vielen Veranstaltungen und Ausflügeund der intensive Kontakt der Gruppenmitglieder aus Österreich, Polen undUngarn untereinander und mit den Menschen der Umgebung waren eine andere.

 

8.   So wurde, obwohl die von allen beherrschte Sprache Deutsch war, in vielen Sprachen parliert, was aber im Unterschied und Gegensatz zuBabylon  nicht zu einer Verwirrung,sondern zu einer intensiven und erlebnisreichen Verständigung und Bereicherung führte.

 

9.Ein Höhepunkt der Veranstaltungen, zu denen die die Blaumützen eingeladenwurden, waren die Feiern zum 30jährigen  Bestehendes Vereins ‚Mitteleuropa’ in Cormons, die sich für die Gruppe vonDonnerstag, 19.8., bis  Sonntag, 22.8., hinzogen, beginnend mit einer berührendenKranzniederlegung auf einem Soldatenfriedhof aus dem 1.Weltkrieg bei Cormons –die ‚Blaumützen standen Spalier. Fortgesetzt mit einem Volksfest am Samstag,in dessen Mittelpunkt eine slowenische Volkstanzgruppe stand, die auch schon inLeoben auftrat, und endend mit einem Festumzug am Sonntag in Cormons, bei demdie Blaumützen die Europafahne an der Spitze des Zuges begleiteten. Der Bürgermeistervon Cormons, dott. Claudio Cucut, und der Präsident von ‚Mitteleuropa’,dott. Paolo Petiziol, bestanden auf einem Foto mit der Gruppe. Dass derGeburtstag von Kaiser Franz Joseph (18.8.) in diese Festwoche fiel, ist keinZufall.

 

 10.Einen Grillabend mit anschließendem Tanz richtete die Banca di CreditoCooperativo di Turriaco zu Ehren der Blaumützen aus, wobei die Bürgermeisterinvon Turriaco, Signora Alessandra Brumat, der Bürgermeister vonFogliano-Redipuglia, Signor Mauro Piani, der Präsident von ‚Mitteleuropa’,dott. Paolo Petiziol, und der Schriftführer der Alpini, Signor Tommaso Cosolo,Grußadressen überbrachten und der Obmann der Blaumützen, Mag. Eugen Lang,Gelegenheit erhielt, Aufgaben und Ziele der Blaumützen zu erklären. DerDirektor der BccT, Signor Roberto Bernardis, versicherte, die Bank werde dasProjekt ‚Österreichisch-Ungarischer Friedhof’ auch im kommenden Jahrunterstützen

 

11.Eineweitere bedeutende Veranstaltung war eine von Prof. dott. Lucio Fabi geleitete Tagungauf dem Flughafen von Ronchi zum Thema ‚1.Weltkrieg und der Tourismus’,auf der Mag. Eugen Lang wiederum Gelegenheit erhielt, die Blaumützenvorzustellen, was er in seiner typisch knappen Art auch tat; eine Vorstellung,die mit starkem Beifall bedacht wurde. Kontakte wurden bei dieser Gelegenheitu.a. geknüpft mit dem Verbindungsmann zu Prof. Schaumann in Kötschach-Mauthen,Signore Roberto Lenardon, der uns schon bald wieder begegnen sollte, und zum Präsidentendes ‚Österreichisch-Italienischen Friedenstreffens’, dem österreichischenHonorarkonsul in Triest, Signore Mario Eichta, mit dem eine Zusammenarbeit inZusammenhang mit dem Projekt ‚Österreichisch-Ungarischer Friedhof’vereinbart wurde. 

 

12. Ein besonderes Schmankerl war dann der Besuch des privaten Uniformmuseumsin Monfalcone, das Signore Roberto Lenardon in über zwanzig Jahren aufgebauthat. Der Bestand mit dem Schwerpunkt österreichische Uniformen enthältBeispiele ab der napoleonischen Zeit bis zur Gegenwart. Von manchenOffiziersuniformen sind die ehemaligen Träger bekannt. Das einzige, was fehlt:Räumlichkeiten; der Bestand würde leicht für ein öffentliches Museumreichen.

 

 

13. Verabschiedet wurde die Gruppe schließlich von der örtlichen Blutspendeorganisation, auf deren Geländegegenüber der Unterkunft und dem Stützpunkt von ProLoco  in der Via Filzidie Restaurierungswerkstatt eingerichtet worden war. Am Abend vor der Abreise,es war der 30.8., lud sie zu einem vergnüglichen Pizzaabend. Der Präsident von‚Donatori Sangue Fogliano Redipuglia’, Signore Guiliano Visintin, erntete Zustimmung und Beifall mit der Feststellung,dass die Menschheit angewiesen sei auf Organisationen, die unentgeltlicharbeiten.

 

14. Und dazwischen immer wieder Ausflüge: Aquileia natürlich mit derBasilika, dem Forum, den römischen Gräbern und dem römischen Flusshafen. Einganztägiger Ausflug nach Venedig mit dem Besuch des Dogenpalastes, derFrari Basilika mit dem Hochaltarbild von Tizian (Himmelfahrt Mariens), der ScalaContarini del Bovolo und einer Wanderung durch die Stadt, die auch in das Ghettoführte. In Triest wurde heuer statt Miramare das KonzentrationslagerRisiera besucht. In Cividale del Friuli heischte neben dem TempiettoLangobardo vor allem die Teufelsbrücke und das Tal des Natisone Bewunderungt,in  Palmanova der riesigeHauptplatz mit einer Säule aus napoleonischer Zeit. In Grado gab mansich heuer ganz den Badefreuden hin.

    Nachdenklich stimmte der Besuch des alten jüdischenFriedhofs in Nova

    GoriziainSlovenien.  Die systematische Suche nach ‚besonderen’

   Grabsteinen ergab: Einige der Inschriftenauf den Grabsteinen sind in

   deutscher Sprache abgefasst. So liest man z.B.: 

                                       Chaim Huppert

                                      k. u. k. Oberleutnanti.d.Res.

                                        im K. u. K. inf-Baon v/22

                                        Co signum laute

                                        Gefallen am 19. November 1915

                                        AufHöhe Podgora

 

      Agata entdeckte den Grabstein desPhilosophen Carlo Michelstädter

 

Berührend undbedrückend ist die Inschrift des letzten Steins auf diesem Friedhof:

 

                                  Nelle terre lontana                                             

                                  Termino il suo martirio                                     

                                              Ma qui presso i suoi cari vive il ricordo di

                                             PaolaLuzzatto                                                                                  

                                 La grande pace accolse il dolore e l’affetto              

                                 Immutabili la pianono                                       

                                 Gorizia 19. Dicembre 1864

                                 Deportata ad Auschwitz II

                                 23. Novembre 1943

 

                                 In der fernen Erde

                                 Endete ihr Martyrium

                                 Aber hier bei ihren Lieben lebt die Erinnerungan

                                 Paula Luzzatto

                                 Der große Friede nahm auf den Schmerz und dieZuneigung

                                 Für immer beweint man sie

                                 Görz 19. Dezember 1864

                                 Deportiert nach Auschwitz II

                                    23. November 1943

 

                    

 

15. Worüber wäre sonst noch zu berichten? Über vieles. Da wurde z.B. einesTages das     ‚Friedhofsteam’fröhlich schmausend vorgefunden anstatt sich der zugewiesenen Arbeit zu widmen.Ein Einwohner von Redipuglia war der Meinung , „wer arbeitet, soll auchessen“ und hatte alles, was man so für eine Jause braucht, herangeschafft:von den Semmeln über reichlich Wurst und Schinken bis zu Servietten undZahnstochern; dazu natürlich viel Mineralwasser.

 

16. Last but not least: Ganz, ganz herzlichen Dank den vielen Helfernvon ProLoco und aus dem Ort, deren Namen gar nicht alle genannt werden können.Stellvertretend für die vielen seien erwähnt der Präsident Alessio Bellotto,der unermüdliche Begleiter Michele Piteo und Franco Visintin, auf dem dieHauptlast der Organisation ruhte. Das kompetente Küchenteam wurde angeführtvon den Damen Renata Zorzin und Marisa Visintin. Als unentbehrliche Helfererwiesen Pier Giorgio Saletti und Albano Zorzin.

Mille grazie!!!

    

17. Fazit: Es handelte sich wieder einmal eine typische Blaumützen-Veranstaltung:anstrengend und erlebnisreich.

 

Tanz am Abend

Rast in Triest

Die Teufelsbrücke in Cividale

Wo ist sie dann, die Gruppe

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