Chronik der Ereignisse

 

 

25. Mai 2003:         Gründungsversammlung

13. Juni 2003:         Mit Bescheid des Vereinsreferats der Bundespolizei ergeht die "Einladung zur Aufnahme der Vereinstätigkeit"  (Zahl: VrXV/853/03)

16. Juni 2003:         Mit der Zahlung der vorgeschriebenen Gebühren wird das Procedere der Vereinsgründung abgeschlossen.

                             

18.-22.Juni 2003: Exkursion nach Polen mit Schülerinnen und Schülern beider Leobener Gymnasien. Unterbringung bei Gastfamilien, Ausflüge nach Wieliczka (Salzbergwerk), mit Skulpturen (Helden u. Heilige, ganze Altäre) aus Salz, Krakau und Auschwitz. In Krakau auch Besuch von "Schindlers Fabrik" und Kasimirz (altes jüdisches Viertel). Kontaktaufnahme mit Herrn Jaroslaw Banys, Leiter einer Kunstgalerie, um für die Anbringung einer Gedenktafel an "Schindlers Fabrik" zu werben. Sehr positive Aufnahme. In der Galerie ein Treffen mit Frau Lewicky (Der Pianist), die als Zeitzeugin eindrucksvoll von ihrem Vater berichtete. Am 1. Abend in der zum Bersten gefüllten Turnhalle 'Tanzstunde' mit dem Motto 'Walzer links herum'.

                            

12.-22. Juli 2003: Ausgrabungscampagne in der Dolina dei       Bersaglieri auf dem Monte dei sei busi bei Fogliano-Redipuglia (Autonome Region Friaul-Julisch-Venetien): Ein österr. Laufgraben wurde etwa 10 m weit ausgegraben. Von den Fundstücken wurde ein Lageplan angefertigt. Die gefundenen menschlichen             Skelettreste wurden am Schluss im Zentrum der Doline(Begräbnisbezirk) beigesetzt. Dort sollen 500 Gefallene beerdigt sein, weshalb die Doline auch Dolina dei cinquecento heißt.

                             

20.-25. Oktober 2003: Besuch von polnischen Schülerinnen  und Schülern des Gymnsiums Tychy (Polen, Oberschlesien) mit den      folgenden Besuchen und Ausflügen: Empfang und Unterrichtsteilnahme am Alten Gymnasium, Sadtführung, AT&S, Stahlwerk   Donawitz, Landesausstellung Bärnbach mit Besuch der Friedensreich Hundertwasser Kirche, der Glashüte  und Piber; Hochosterwitz, Graz, Klagenfurt mit Minimundus, Admont (der Erzberg war im Schnee).

                                                                               

5.-7.März 2004: Besuch unserer Freunde von ProLoco aus         Fogliano-Redipuglia mit einer Matinee am am Neuen Gymnasium, in der u.a. ital. u. österr. Uniformen aus dem 1.Weltkrieg vorgeführt wurden, Stadtbesichtigung mit Umtrunk, Ausflug nach Eisenerz, gemütlicher Abend mit Volksmusik und Tanz.

 

15.Mai 2004:             Außerordentliche Mitgliederversammlung.

 

10.-14. Juni 2004:     Exkursion nach Polen mit Schülerinnen und Schülern des Alten Gymnasiums. Unterbringung bei  Gastfamilien, Ausflüge nach Wieliczka, Krakau und Auschhwitz. Die Gedenktafel an Schindlers  Fabrik, neu angebracht, wird mit Freude zur Kenntnis genommen.

 

18.-20. Juni 2004:   

Exkursion nach Feltre/Seren di Grappa (Provinz Belluno) auf Einladung von Marco Rech, Lehrer  und Historiker. Empfang durch den Präsidenten der Comunita Montana Feltrino und Vertretern der   Gemeinde Seren del Grappa ,Stadtbesichtigung und Ausflug zum Monte Grappa mit dem Gefallenen-Denkmal. Unterkunft in einem Berghaus (Solarstrom). Erlebnisreiche Hin- und Rückreise.

 

18. – 31.August 2004: 

Italienprojekt (Fogliano-Redipuglia): Beginn der Restaurierung der Namenstafeln auf dem Österr.-Ungar. Friedhof aus dem 1. Weltkrieg in Fogliano-Redipuglia. 650 von 2500 Namenstafeln auf Einzelgräbern wurden restauriert Unter den TeilnehmerInnen befanden sich eine eine Studentin und ein ein Gymnasiast Polen (Tychy, Obeschlesien) und  und zwei Gymnasiasten aus Ungarn (Pesc). Ausflüge nach Venedig, Cividale und Nova Goriza (Jüdischer Friedhof im Rosental).

                                  

12./13. November 2004:   

 Besuch einer Delegation aus Fogliano-Redupuglia und Turriaco unter der Führung von Bürgermeister Mauro Piani mit Empfang durch den Leobener Bürgermeister Dr. Matthias Konrad, Stadtbesichti-    gung, Besuch von Mayr-Melnhoff und der Gösser Brauerei sowie einer „cena alla campagnola a casa Lang“

 

2005:

Beginn des Projektes Wegweiser. Der Weg, den die ungarischen Juden im April 1945 durch Leoben gegangen sind, soll rekonstruiert und dokukumentiert  werden mit dem Ziel, an diesen Weg dauerhaft zu erinnern.

 

26. - 29. Mai 2005:

Exkursion nach Köln mit dem Schwerpunkt 'Kölner Stolpersteine'. Die 'Kölner Stolpersteine' wurden und werden, mit Namen und Deportationsdatum versehen, vom Künstler Gunter Demnig in die Bürgersteige vor den Wohnungen der vom Nazi-Regime Verfolgten und getöteten Kölner (jüdischen) Bürger eingelassen. Höhepunkt war der Besuch von Gunter Demnig in seinem Atelier. Weiters wurden besucht einige der romanischen Kirchen, das Römisch-Gemanische Museum sowie das Museum Ludwig und schließlich noch die Kleine Reichskanzlei. Auf der Rückreise wurde in Nürnberg das ehemalige Reichsparteitagsgelände besichtigt.

 

20.- 24.6.2005:

Abschlussexkursion der 4c Klasse des Neuen Gymnasiums ( KV Mag. Clemens Neugebauer). Unterkunft in einer Jugendherberge in Aquileia, Ausgrabungsarbeiten auf dem Monte dei sei busi in einem Laufgraben zwischen zwei Dolinen. Aufregendster Fund: eine gut erhaltene Olivenöl-Dose mit sehr schönen Jugendstil-Mustern. Verpflegung zu Mittag durch ProLoco. Ausflüge zum Monte Coco (verbunkerte österr. Artilleriestellungen) und nach Cividale. Begeistert fuhr die 4c Klasse wieder heim nach Leoben.

 

2.7.2005:

Ordentliche Mitgliederversammlung.

 

 20.8. - 4.9. 2005:

Italienprojekt (Campo di lavoro): Ungarische (Fünfkirchen/Pécs), polnische (Tichau) und österr. (Leoben) Jugendliche nahmen teil. 1.Woche Redipuglia (Österr.ungar. Kriegsfriedhof. 2. Woche Monte Grappa (Schützengräben und Wanderweg). Ausflüge von Redipuglia aus: Venedig, Cormons: dort Teilnahme am Umzug des Vereins 'Mitteleuropa',des Festgottesdienstes und Fest in Giassico, Monte Sabotino, Weinkellerbesuch, Monte Cocco (österr. verbunkerte Artilleriestellung vor Triest), Triest, Grado; An einem Nachmittag Besuch eines KZ in Risiera San Sabba (Vorort von Triest), geführt von Roberto, und Besuch des sehr interessanten Privatmuseums von Roberto.   Von Seren del Grappa bzw. von der von uns bewohnten Berghütte nahe dem Monte Grappa aus:  Feltre, Belluno, Bassano del Grappa, Monte Grappa mit dem Ehrenmal für die gefallenen Italiener u. Österreicher. l   

 

8. - 14.5.2006:

Besuch der polnischen Schülerinnen und Schüler aus Tychy. Empfang am Neuen Gymnasium, anschließend Teilnahme an Unterrichtsstunden, am Nachmittag Bürgermeisterempfang und Stadtführung. Mit SchülerInnen des Neuen Gymnasiums gemeinsame Exkursion nach Kärnten: Hochosterwitz, Magdalensberg, Maria Saal und Herzogsstuhl. Exkursion nach Stübing, und gemeinsamer Abend im Schulgebäude: Vorstellung der Regionen, Geselligkeit mit Volkstänzen und 'Tanzstunde. Graz und Eggenberg. Stift Admont und Erzbergbesichtigung. Ein Abend gehört der Familie. 

   

14. - 20.9.2006  

Exkursion der 5c Klasse des Neuen Gymnasiums (KV Elfi Grauer) nach Oberschlesien u. Krakau. Empfang in der Schule, Wielicka (Salzbergwerk), Krakau mit Schindlers Fabrik und Kasimierz. Schloss Pless (Im 1.Weltkrieg Hauptquartier Wilhelms II im Osten) u. Besuch des früheren Jagdschlosses der Fürsten von Pless, wo einige Zeit vorher gewissermaßen eine historische Begegnung mit dem israelischen Botschafter in Polen stattfand (bezüglich der Gedächtnistafel für Schindlerdd), heute ein 5 Sterne Jagdhotel. Auschwitz, Empfang durch und bei Frau Lewicki (der Pianist). Empfang beim Präsidenten der Stadt, 2.Fahrt nach Krakau mit Besuch des Wawel u. die Königsgruf unter der dortigen Kirche.  Auf der Rückfahrt Station in der wunderschönen Stadt Olmütz in Tschechien.

                                             

18. bzw. 26.8. - 10.9.2006:

Campo di lavoro mit Jugendlichen aus Österreich, Polen und Ungarn. Etwa 2/3 der Namenstafeln auf dem Österreichisch-Ungarischen Friedhof in Redipuglia sind nun restauriert. Dazu kamen einige Tage Ausgrabungsarbeit am Eingang zu einer ungarischen Kaverne am Monte San Michele. Ausflüge nach Venedig, Triest, Görz + Nova Goriza, Bovec (Flitsch-Tolmein) mit dem eindrucksvollen Museum zum 1. Weltkrieg, wiederum aktive Teilnahme am Umzug des Vereins 'Mitteleuropa' in Cormons + Teilnahme am Festgottesdienst und am abendlichen Fest in Giassico.

 

2.6.2007: Mitgliederversammlung

 

21.7.2007:

Grosse internationale Abschlussfeier zur Beendigung der Restaurierungsarbeiten auf dem Österreichisch-Ungarischen Kriegsfriedhof in Redipuglia, an denen insgesamt 31 Jugendliche aus Österreich, Polen und Ungarn teilgenommen haben. Den Kern der Festgäste bildetenn Vertreter des aktiven Militärs aus Italien, Österreich und Ungarn sowie sowie Vertreter von Veteranenverbänden aus Italien und Österreich. Dazu kamen der Bürgermeister der Gemeinde Fogliano-Redipuglia, die Bürgermeister der Nachbargemeinden,  Vertreter des Landeshauptmannes von Kärnten, des Bürgermeisters von Leoben, des Bürgermeisters von Székesfehérvár (von dort stammte auch das Militär), der Präsident des Vereins 'Mitteleuropa', der Präsident von ProLoco, ein katholischer und ein evangelischer Militärgeistlicher aus Österreich und die zahlreich vertretene Bevölkerung.  Der Kommandant von des Landwehrbataillons 18 aus St Michael führte die 9 köpfige Delegation aus St. Michael an.

Wegen der großen Hitze wurden die Ansprachen während der Messe in der Pfarrkirche gehalten. Von der Kirche bewegte sich der Zug, musikalisch begleitet von der Blaskapelle 'Stahlklang' aus Ferlach in Kärnten, zum Friedhof. Traditionsgruppen, darunter das 'K.u.K. Jägerbataillon 99' in tra ditionellen Uniformen, sorgten für ein buntes Bild. Auf dem Friedhof erfolgte die Kranzniederlegung, die militärische Ehrenbezeugung, die Verlesung der Regionen (22 insgesamt), aus denen die Gefallenen stammten, und die erneute Einsegnung des Friedhof durch die Militärgeistlichen. Als Abschluss erklang das 'Lied vom guten Kameraden', vorgetragen von einem Trompeter der Ferlacher Blaskapelle.

Im Rahmen des von ProLoco organisierten Mittagessens und des folgenden Beisammenseins erfolgte die Verleihung der Auszeichnungen des österr. Schwarzen Kreuzes an zahlreiche Helfer der Restaurierungsarbeiten und der Feier. Die Hitze war schließlich unerträglich.

 

21. - 28.9. 2007:

Besuch der polnischen Schülerinnen und Schüler aus Tychy. Ein Tag in Wien; am Abend Besuch des Musicals Rebecca. Graz. Empfang am Neuen Gymnasium und Unterrichtsbesuch, Bürgermeisterempfang, Stadtführung; Treffen mit Landesrätin Dr. Bettina Vollath. Kärnten: Hochosterwitz, Magdalensberg. Admont.

 

5. - 20.7. 2008:

Projekt in Sexten, Südtirol. Ein österreichischer Eckpfeiler der Dolomitenfront im 1. Weltkrieg waren die Sextener Dolomiten. Aus der Zeit des Krieges sind noch zahlreiche Relikte, Stellungen mit Lauf- und Schützengräben und Trockenmauern, Kavernen mit noch weitgehend original erhaltenem 'Mobilar' Steige, etc. erhalten. Der sextener Verein Bellum aquilarum (Krieg der Adler) beabsichtigt, bis zum Jahr 2014 die Denkmäler aus der Zeit des Krieges so weit zu konservieren, dass sie sich, verbunden durch Wanderwege, zu einem Freilichtmuseum zusammenfassen lassen. Wir haben für den Beginn unsere Hilfe angeboten, die dankbar angenommen wurde.

Die Unterkunft war in der Rotwandwiesen-Hütte auf 1924 m Höhe. Von dort wurden auch alle verpflegt. Der Lift war von den TeilnehmerInnen kostenlos zu benutzen. Weil die Arbeitsstelle gute 30 Minuten zu Fuß entfernt war, wurde das Mittagessen in Thermosbehältern, die das Jägerbataillon 18 aus St. Michael zur Verfügung gestellt hatte, zur Arbeitstelle (Anderter Alm) gebracht. Durchgeführte Arbeiten: Beseitigung von Vegetation, Einebnen und Beschottern von Wegen, Ausbessern von Trockenmauern, Ausräumen eines Schützengrabens. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung wurden vom Verein Bellum aquilarum getragen. Ausflüge: Bozen mit 'Ötzi' Museum, Schaukäserei in Toblach, Latschenkieferdestille in Kiens, ein ehemaliges Kupferbergwerk in Prettau, das Festungswerk Mitterberg, das einzige vor dem Ersten Weltkrieg entstandene Festungswerk, das mit der Originalpanzerung erhaltenen ist.  Teilgenommen haben neben den beiden Leitern aus Leoben  und Pécs 14 Jugendliche, zu etwa gleichen Teilen aus Österreich (Leoben), Polen (Tychy) und Ungarn (Pécs und Székesfehérvár).

 

27.9. - 4.8. 2008:

Besuch der polnischen Schülerinnen und Schüler aus Tychy. Kärnten: Besuch des Harrer-Museums (+ Dalai Lama) in Hüttenberg, Hochosterwitz, Magdalensberg. Graz und Eggenberg. Stift Rein und Stübing. Wien, Schwerpunkt Schönbrunn, abends das Musical Rudolf, wieder im Raimund Theater. Empfang am Neuen Gymnasium mit Unterrichtsbesuch, Bürgermeisterempfang, Stadtführung. Das traditionelle Shopping.

 

10.6. - 14.6.2009: Exkusion nach Köln. Anfahrt mit dem bewährten Rotkreuz-Bus. Unterkunft im Hostel for backpackers. Am ersten Tag Führung durch die ehemalige Ordensburg Vogelsang in der Eifel. 2. Tag: Besuch des LD-Hauses=frühere Gestapozentrale, Stadtrundgang, geführt durch Vereinsmitglied Georg Lang. Abends Einladung bei Vereinsmitglied Hildegard Schwedes. 3. Tag: Führung durch die rom. Kirche St.Gereon, Römisch-Germanisches Museum + Dionysos-Mosaik, Dom, das Prätorium. Abschließend eine Bootsfahrt auf dem Rhein. 4. Tag Rückfahrt.

 

3. - 18. Juli und 19.Juli  - 2. August 2009: Sommerprojekt in Sexten. TeilnehmerInnen an beiden Terminen kamen fast ausschließlich aus Tychy, Székesfehérvár und Pécs. Dazu stießen zeitweilig zwei Leobener. Die Rückmeldungen waren unterschiedlich. Begeistert waren die 2. Gruppe aus Tychy (schon Studierende, 2.Termin) und die Gruppe aus Pécs (2.Termin), zufrieden die erste Gruppe aus Tychy, begleitet von zwei Lehrerinen, unzufrieden die Gruppe aus Székesfehérvár (beide 1.Termin). Die Führung von unserer Seite lag im Spital und fehlte. Fortgesetzt und fast vollendet wurden die Arbeiten auf der Anderter Alpe (Wege, Vegetationsbeseitigung, Ausbessern von Trockenmauern). Wahrscheinlich wird es keine Fortsetzung geben.

 

25.9. - 2.10.2009: Besuch aus Tychy. 18 SchülerInnen, 2 Begleitlehrerinnen und der Chauffeur wurden wieder in Gastfamilien untergebracht. Neben Unterrichtsbesuch (Neues Gymnasium), Bürgermeisterempfang und Stadtführung wurden Ausflüge gemacht nach: Wien (Musicalbesuch, Kronprinz Rudolf), Hochosterwitz-Straßburg-Gurk, Graz mit Schlossberg und Eggenberg, Stift Rein und Stübing. Gurk wurde von den meisten als Höhepunkt der Exkursionen bezeichnet.

 

2010: Projekt Wegweiser. Im Projekt Wegweiser versuchen wir als Voraussetzung für eine dauerhafte Kennzeichnung den Weg bzw. die Wege der ungarischen Juden Anfang April 1945 durch Leoben zu rekonstruierin. Die Ergebnisse liegen inzwischen weitgehend vor. Die Dokumentation findet sich unter dem Link Todesmarsch (s.u.).

Demnach hat es zwei Routen gegeben. Ein Zug ging von Rothleiten oder Rötelstein aus den sgn. Diebsweg nach Leoben, wo er in Göss in die Kaltenbrunnerstr. mündete, dann über die heutige Ferdinand Hanusch-Str., die Bahnübersetzung, Pestalozzistr und Kerpelystr. weiter in Richtung Trofaiach zog. Ein anderer Hauptzug wurde über Proleb, Niklasdorf,Kärntnerstr., Hauptplatz, Schwammerlturm, Vordernbergerstr., am Töllerlhammer vorbei Richtung Tollinggraben und Trofaiach getrieben. Ein Zug soll auch unter Umgehung des Hauptplatzes über die Langgasse, die Dominikanergsse, die Franz Josef Str. und am Bahnhof vorbei gegangen sein. Die ganze Aktion über Proleb soll 2 oder 3 Tage gedauert haben, also wahrscheinlich vom 5.-7. April, denn am 8. als fixes Datum hat am Präbichel das Massaker stattgefunden.

Die Informationen stammen von z.T. mit Videokamera interviewten Zeitzeugen. Bestätigt und wesentlich ergänzt wurden die Angeben durch ein Projekt des Neuen Gymnasiums, das als Vorbereitung für die Umrahmung der Feier zur Errichtung eines Mahnmals auf dem Präbichel diente. (Schüler suchen Zeitzeugen).

                                        Offene Fragen: Das genaue Datum bzw. die genau datierten Tage (Fest steht das Datum des Massakers auf dem Präbichel: 8.April 1945). Wann und wo wurden die Züge geteilt und wurden sie wieder zusammengefügt? Was den Präbichel betrifft, ist immer nur von einem Zug die Rede.

 

                                                                                                                                                                                                                                      

 

  Todesmarsch

Todesmarsch der ungarischen Juden durch Leoben

Dokumentation

Anfang April 1945 erreichte der Zug der ungarischen Juden auf dem Weg vom Burgenland nach Mauthausen Leoben und zog - wahrscheinlich vom 5. – 7. April -durch die Stadt. Am Präbichl, wo am 8.4.1945 ein Massaker stattfand, kamen von den ursprünglich 10.000 noch 8.000 an – deshalb Todesmarsch. Mit Hilfe von Zeitzeugen bzw. deren Kindern – heute ältere Menschen- konnten die verschiedenen Wege durch die Stadt festgestellt werden.

Die einzelnen Strecken:

Die Route über den Diebsweg.

a. Herr Michael Quinesser, Bachgasse 47, Leoben - Göss, bestätigt an Eides Statt mit Datum 8. April 1947 dass Frau Maria Schmidt, Bachgasse 2 Leoben-Göss, im April 1945 Angehörige „eines Transportes vorbeiziehender Juden, welche von hier über den Präbichel nach Mauthausen geführt wurden, mit Marmeladenbroten und Äpfeln beteilt" hat. Die erfolgte Anzeige hatte aber wegen des Kriegsendes keine Folgen mehr. Weitere Zeugen dieses Vorfalls werden in dem Dokument angeführt. Bachstr. 2 gewährt einen Blick auf die Kaltenbrunnerstr.

Quelle: Privatarviv Wedrac

 

b. Herr Ernst Domej schreibt: „Im Frühjahr 1945 gelangte ein Zug Juden, der über den Diebsweg kam, durch die Stadt. Auf ihrem Weitermarsch über den Präbichel wurden viele erschossen, andere kamen vor Erschöpfung und Kälte um."

Quelle: Vom „Umbruch" zum „Zusammenbruch". Steirische Schicksale. Hrsg. Günther Jontes. Leoben 2009, S. 185

 

c. Frau Johanna Eberz, ergänzt von ihrem Mann, Herrn Wilhelm Eberz, Max Tendler Str. 10, erklärt: Als Kind habe sie mit ihrer Mutter in Leitendorf vor dem Haus Nr. 32 (heute Ferdinand Hanuscch Str) im Frühjahr 1945 einen sehr langen Zug von Elendsgestalten erlebt. Die Mutter habe zu trinken geben wollen und von einem Volkssturmmann gesagt bekommen: Wenn sie zu trinken gebe, könne sie sich gleich einreihen. Einen Mann der röchelte „Wasser, Wasser" und andere im Zug haben dann die Mutter und eine Nachbarin mit einigen Kübeln Wasser übergossen, was nicht beanstandet wurde. Der Zug bestand nur aus Männern.

Quelle: Ein Video-Interview mit Frau Eberz und ihrem Gatten von einer Maturandin des Neuen Gymnasiums, schlechte Qualität, aber informativ.

d. Frau Margarete Abendstein, Trofaiach, Gößgrabenstr, 11, erklärte am Telefon: Sie habe im Frühjahr 1945 in der Zirkusstraße nahe der heutigen Ferdinand Hanusch Str. gewohnt und den langen Zug der Elendsgestalten gesehen. Das sei für sie noch heute so furchtbar, dass sie auf Anraten ihres Sohnes kein Video-Interview geben könne.

Quelle: Mehrere Telefongespräche mit Frau Abendstein.

 

e.  Frau Edeltrude Schwaiger erklärte: Sie habe als Lehrmädchen der Schneiderei den Zug erlebt. Die Werkstatt ihrer Meisterin lag im 1. Stock eines Hauses, das an der Stelle des heutigen Parkplatzes der HbLA in der Kerpelystr.. stand . Die Mutter der Meisterin warf Brote aus dem Fenster, was von einem Volkssturmmann, den alle kannten und der in die Werkstatt eilte, strengstens verboten wurde..

Nach Frau Schwaiger ist der Zug stundenlang vorbeigezogen, habe gar kein Einde genommen, am Vormittag (Jausenzeit) habe er begonnen und auch am Nachmittag sei er l vorbei gezogen.Er musste allerdings auch vor der Bahnschranke anhalten, nach der er durch die Kerpelystr. weiter Richtung Donawitz weiter zug. . Sie kann nicht sagen, ob er von rechts (Kerpelystr, Pestalozzisachule) ) oder von der Donawitzerstr kam. Die Länge des Zuges und die Tatsche dass von der Donawitze Str. nur ein nächtlicher Zug bezeugt ist, spricht dafür, dass es sich um den Zug aus Göss bzw. vom Diebsweg gehandelt hat.

Quelle: Ein Video-Interview mit Frau Schwaiger.

 

f.  Frau Roswidtha Denes, Sperlhofgasse 19, Leoben, berichtet: Die Eltern, die auch schon in der Sperlhofgasse 19 gewohnt haben, waren auf dem Friedhof in Donawitz. Unterwegs haben sie ein Brot gekauft, das die Mutter getragen hat. Auf dem Rückweg ist ihnen in Höhe des ehemaligen Sebinger Gasthauses (unweit der Einmündung der Donawitzer Str. in die Kerpelystr.) ein sehr langer Elendszug begegnet. Die Füße der Elendsgestalten waren z.T. nur mit Lumpen umwickelt. Eine Frau röchelte „Hunger". Frau Schwab brach ein Stück vom gekauften Brot ab und wollte es der Frau geben. Einer der Bewacher schlug sie daraufhin mit dem Gewehrkolben auf den Kopf, worauf sie von ihrem Vorhaben Abstand nehmen musste. Aus welcher Richtung der Zug kam, haben die Eltern von Frau Denes nicht berichtet, als ungefähren Zeitpunkt vermutet sie die Dämmerung.

Quelle: Ein Interview mit Frau Denes.

 

Die Route von Bruck aus auf der Proleber Seite der Mur. Wahrscheinlicher Grund:

Die Hauptstraße von Bruck über Niklasdort war sicher zeitweise von zurückflutenden deutschen und ungarischen Truppen voll in Anspruch genommen. Nach den Brüdern Herbert und Franz Wanz (s.u.) dauerten die Züge mehrere Tage.

Die meisten der folgenden Angaben stammen von Schülerinnen und Schülern des Neuen Gymnasiums und wurden von diesen im Rahmen des von Mag. Winfried Hofer - in Zusammenhang mit der Errichtung des Mahnmals auf dem Präbichel – unter dem Projekttitel „Schüler suchen Zeitzeugen" in Form von Interviews (Protokolle) gesammelt. Gekennzeichnet werden diese Angaben unter „Quelle" mit NG und der Seitennummer des Skriptums. Der Text der Protokolle wurde teilweise übernommen.

 

g.  Herr Fritz Inkret, Leoben, erinnert sich, „dass der Judentodesmarsch von Bruck

über Proleb und Niklasdorf und am Leobener Bahnhof vorbei hinauf nach St.Peter-Freienstein geführt worden sei…..Marschunfähige wurden erschossen, die Leichen meist nicht mehr gefunden. Wenn man einem Juden ein Stück Brot gab, konnte man selber umgebracht werden."

Der Übergang über die Mur muss auf der damals vorhandenen Holzbrücke stattgefunden haben, deren Existenz, von Herrn Kurt Kraus erwähnt, von der Gemeinde Niklasdorf bestätigt wurde. Die anschließende nach Niklasdorf führende Straße existiert in großen Teilen noch und gehört heute zum Werksgelände von Brigl & Bergmeister.

Quelle: NG S.54

 

h.  Die Brüder Herbert und Franz Wanz, Seegraben, Proleberstr. 48, berichten, dass „…Lagerhäftlinge aus Ungarn, von Wachmannschaften bewacht, an zwei oder drei Tagen am Wohnhaus der Familie Wanz vorbeigetrieben" wurden. Die Bewohner des Mietshauses haben dann Essbares aus den Fenstern geworfen, wovon manches in den zur Straße hin tiefer gelegenen Hof viel. Die beiden Burschen warfen dann diese Sachen vom Hof aus weiter auf die Straße bis der ihnen bekannte Ortsgruppenleiter eingriff. Auch der Vater der Burschen bekam Schwierigkeiten.

Manche Züge wurden also über die Holzbrücke nach Niklasdorf geleitet, andere über Proleb, Südbahnstr., Bahnhof und weiter.

Quelle: NG, S.59f

 

i.  Herr Jelll sen. Leoben,Besitzer der „Obersteirischen Zeitung", hat als Jugendlicher auf der Kärntner Str. in Höhe der heutigen Kaufhäuser Hofer und Lidl den Elendszug gesehen. Er war aber zu keinem persönlichen Gespräch bereit.

Quelle: Interview mit dem Sohn, Herrn Markus Jell.

 

j.  Herr Kurt Kraus hat sein Wissen über den Todesmarsch von seiner Mutter, die ihn

beobachtet hat. Demnach ist ein langer Zug von der Mühltal Str. kommend über die Langgasse, Dominikanergasse, Franz-Josef Str., Bahnhof und Zeltenschlagstraße weitergezogen. Beim Gärner Park und beim Bahnhof hat es je einen Toten gegeben.

Quelle: Videointerview mit Herrn Kraus.

 

k.  Herr Alfred Safran, Kapfenberg, und ein Freund kamen mit dem Fahrrad aus Bruck zurück, wo sie eingekauft hatten. In Höhe der heutigen Einkaufszentren in Lerchenfeld (Kärntner Str.) sahen sie den Elendszug. Alfred stand hinter einem Auto und warf den Juden ein Stück Brot zu, auf das sie sich sofort stürzten. In Leoben beobachteten sie, wie zwei Juden die flüchten wollten, niedergeschossen wurden. Auch auf dem Hauptplatz wurden sie verprügelt und getreten. Nach dem Schwammerlturm sprangen viele in die Mur, die von SS-Männern fast alle erschossen wurden.

Quelle: NG, S.58f

 

l.  Frau Hildegard Fischer, Leoben, berichtet: „ Ich war auf dem Weg zu meinem Vater in die Firma (hinter dem heutigen Landeskrankenhaus in Leoben) und beobachtete, wie ein langer Zug von Menschen, den Weg von der Stadt kommend, in Richtung Eisenerz marschiert ist. Da sah ich SS-Männer mit Schlagstöcken und Peitschen die Menschen die Straße entlang treiben."

Die Formulierung „von der Stadt kommend" kann bedeuten von der Zeltenschlagstr. oder – was aufgrund dieser Formulierung „von der Stadt" wahrscheinlicher ist – von der Vordernberger Str. Jedenfalls müssen die Menschen nach Überqueren der damals vorhandenen Bahnübersetzung die Vordernber Str. in Richtung Donawitz weiter getrieben worden sein. Die anschließend erwähnten Beobachtungen bestätigen dies.

Quelle: NG, S.52

 

m.  Herr Rudolf Berger, Leoben, berichtet „Ich war damals im April 1945 dreizehn Jahre alt….Nach kurzer Zeit ertönte ein Schuss und wir sahen, wie ein Mann zusammensackte. Die Leiche wurde von der Begleitmannschaft kurzerhand unweit des ehemaligen Gasthofes „Töllerlhammer" über die Böschung in den Vordernberger Bach geworfen."….."Im Nachhinein hörte man, dass in dieser Nacht etwa ein Dutzend Menschen an Erschöpfung gestorben waren, die dann angeblich am Zentralfriedhof begraben wurden."

Aufgrund der Ortsangaben „Gasthof Töllerhammer" und „Vordernberger Bach" muss der beobachtete Zug vom LKH kommend die Vordernberger Str. weiter nach Donawitz u.s.w. gezogen sein.

Quelle: NG, S.50

 

n.  Herr Robert Reich hat mit einem Freund im Bereich der heutigen Donawitzer Kläranlage den Zug der „ungarischen Juden" vom rechten Ufer des Vordernberger Baches aus beobachtet. Gegen vier Uhr nachmittags sahen sie den Zug der ungarischen Juden, die auf dem Weg nach Mauthausen waren, vorbeiziehen. Begleitet wurden sie von einem SS-Mann und Volksstürmlern aus der Umgebung. Ein Mann, der nicht weiter konnte wurde vom SS-Mann die Böschung hinunter gestoßen und dann mit einer Pistole erschossen. Als er die beiden Jungen bemerkte, rief er ihnen zu „Jungs, scharrt das Schwein ein".

Offensichtlich hat sich dieser Vorfall wieder auf der Vordernberger Str. in Nähe des Werkes Donawitz abgespielt.

Quelle: NG, S.52f

 

Zusammenfassung: Der „Todesmarsch" der ungarischen Juden bestand also auf vielen Einzelzügen, die aus den Zwei Hauptrichtungen Diebsweg und Bruck kamen und in der Stadt zu verschiedenen Tageszeiten verschiedene Straßenzüge benutzten. Auch nach der Stadt Leoben hat es laut den Schülerprotokollen noch zwei Routen gegeben: In St. Peter Freienstein entweder gerade aus über die Gmeingrube nach Trofaiach oder links über Edling nach Hafning.. Nach Hafning kann nur die eine zum Präbichel führende Straße benutzt worden sein. Da am Präbichel etwa 8000 Häftlinge angekommen sein sollen, stellt sich die Frage, ob die einzelnen Züge nach Trofaiach bzw. Hafning wieder zusammengeführt wurden oder ob die Zahl 8000 die Summe aller Züge darstellt, die sich vielleicht über mehrere Tage hingezogen haben.

Aufgrund der Schülerprotokolle lässt sich diese Frage nicht entscheiden.

Im Hinblick auf eine aufzustellende Gedenktafel ist noch zu überlegen ob man

1.Die bekannt gewordenen Orte wie Gärner Park, Bahnhof, Töllerlhammer, an denen

es Tote gegeben hat, kennzeichnen soll

2. Im Begleittext die Tatsche, dass bei fast allen Begegnungen mit dem Zug die unter

den damaligen Umständen größtmögliche Hilfsbereitschaft zum Ausdruck kam,

wähnet werden soll.

 

Leoben, den 2. Februar 2011 Eugen Lang